DER NATIONALPARK VON KISKUNSÁG

Die Vielfalt der Landschaft, ihrer Vegetation und Tierwelt im Südteil der Grossen ungarischen Tiefebene, des Alföld, ist längst nicht mehr bloss ein Geheimtip, von studierenden der Naturwissenschaften Hobbyorninotologen oder Hobbybotanikern, sondern längst das Ziel zahlreicher Naturliebhaber.
Der geregelte und organisierte Ökotourismus bietet den Besuchern zahlreiche Möglickkeiten: Die Auwälder der südlichen Donau, der Theiss sowie an der Maros, die letzten erhalten gebliebenen Lössböden mit ihren botanischen Besonderheiten, Wacholderwälder und Trockenrasen im Sanddünengebiet, verschilfte Seen mit Brutkolonien von Reihern und Löfflern, viele im übrigen Europa bereits selten gewordene Limicolenarten an flachen Alkaliseen, den imposanten Kranichdurchzug Anfang November oder die in dieser Region vorkommenden grössten Populationen der Grosstrappe kennenzulernen.

Die Besucher der Südlicher Tiefebene, aus welchen Ländern sie auch kommen, können in den drei Nationalparken sowie in den Naturshutz - und Landschaftsschutzgebieten das wahre Bild der Tiefebene eutdecken.

Das Zwischenstromland Donau-Theiss ist eine vielseitige Landschaft und unterscheidet s ich in vielen Merkmalen von anderen Teilen der Tiefebene. Die neun Gebietseinheiten der im Jahre 1975 gegründeten, mosaikartig aufgebauten und sich auf einer Fläche von nahezu 500 km2 liegenden Nationalparks repräsentieren hervorragend die hier heimischen natürlichen Lebensgemeinschaften und kulturgeshichtlichen Schätze.

Auf den ausgedehnten Weideflächen auf alkalischem Boden der Ebene entlang der Donau - in Puszta und Miklapuszta in der Oberen Kiskunság - gehören heute noch die altungarischen Haustierrassen zum Landschaftsbild. In der ungarischen Pussta mit ihrem weiten Horizont sind neben Graurindern und Zackelschafen auch die galoppierenden ungarischen Halbblutpferde zu finden. Die flachen Alkaliseen der Kiskunság , an denen im Sommer “das Salz ausblüht”, sind während der feuchten Jahreszeit Brut- und Rastplatz grosser Scharen von Wasser- und Watvögeln.

Ein erwähnenswertes Gebiet des Kiskunsager Nationalparkes ist auch die Sanddünenlandschaft. Auf der trockenen Sanddünenoberfläche können wir zahlreiche, für diese Gegend charakteristische Pflanzenarten bewundern. Einige noch offene Wanderdünen, ausgedehnte Wacholderbüsche und Weisspappelwälder bereichern die Sandpussta. Weitere imposante Biotope sind der stark versumpfte Kolon-See mit seiner reichen Vogelwelt, oder die imposanten Seen des Nationalparkes Pusztaszer.
Die toten Nebenarme der Theiss, deren Auenwälder und die in der Nähe liegenden Thermalbäder bieten gute Möglichkeiten für den Tourismus.
Im Informationszentrum des Kiskunsager Nationalparks im “Haus der Natur” in Kecskemét werden die Naturschätze des Zwischenstromlandes Donau-Theiss in einer hervorragenden Ausstellung gezeigt, Die hier erhaltenen Informationen können als Unterschützung beim Zusammenstellen eines individuellen Besuchsprograms dienen. In der Bugacpuszta und in der Kunpuszta bei Kerekegyháza können die Besucher das zum Kulturkreis des Hirtenberufs gehörende ungarische Brauchtum über Tanzvorführungen, Volkslieder und Zigeunermusik kennenlernen und miterleben.

Auf dem Gebiet des Nationalparkes stehen den Besuchern beschilderte Lehrpfade, Hochstände und Vogelwarten zur Verfügung. Für Wanderer und Reitgäste stehen trotz der notwendigen Beschränkungen aus Naturschutzgründen genügend Wege zum Naturerleben offen.

Die ungarische Tiefebene - Die Puszta

"Endlose Puszta, enorme Weite. Der Zauber der Landschaft, die schwermütige Schönheit der endlosen Weite ergreift !" schrieben ausländische Pressevertreter in den dreißiger Jahren über die ungarische Puszta, deren natürlicher Zauber, überwältigende Einfachheit die Besucher von weit her anlockte, auch heute noch. Aber warum ist diese Eintönigkeit so beeindruckend?

Von oben betrachtet sieht sie aus wie ein riesiger, bunter Rasenteppich. Seine Vielfältigkeit, das Reichtum an Farben und Farbnouancen überrascht. Die bunten Teppichflecken sind die einzelnen Vegetationseinheiten.

Nach dem frostigkalten, schneeverwehten Winter wird die Puszta im Frühjahr schnell grün, das frische Gras biegt sich sanft im Wind. Zum Sommeranfang blühen roter Mohn und blauer Rittersporn. Dann wirft das Gras rote Schatten und von der Hitze wird langsam alles gelb. Auf dem rissigen sodahal- tigen Boden leben nur noch einige kleine Halbwüstenpflanzen. Die Waldstreifen sind dann noch grün, die Ränder der Seen und Sümpfe sind dicht mit Schilf bewachsen. Die mit ~em frühen Herbstregen erblühende Aster und der Widerstoß geben der Puszta erneut Farbe.

Leben in den großen, unbeweglichen Raum bringen die ziehenden Vogelschwänne. Für sie bieten das Röhricht der Fischteiche und die Waldstreifen ideale Nistplätze und ausreichend Nahrung. Die Beobachter können zahlreiche nur hier vorkommende Vogelarten beobachten. Die Hortobagypuszt~ ist mit 330 Vogelsorten eines der bedeutendsten Vogelreservate des Karpatenbeckens. Über ihr verläuft eine der Nord-Süd- Hauptzugrichtungen der Vögel. Einen unvergesslichen Anblick in der Zugzeit des Frühjahres und des Herbstes bieten die sich vennischenden Schwänne der krähenden Kraniche und Wildgänse. Kleinkumanien beheimatet Blesshühner, Brachläufer und die grössten Vögel Europas, die Großtrappen.

Bei der Entstehung der heutigen Fonn der Puszta spielte der Mensch in den vergangenen Jahrhunderten eine wesentliche Rolle. Der Urzustand hat sich gewaltig verändert. Zur Zeit der ungarischen Landnahme wurde die Tiefebene von den Wellen der Donau und Theiß umspült, sie war eine mit Lehm bedeckte, fruchtbare Landschaft, in der es Wälder und Sümpfe gab. Hier entwickelten sich blühende Siedlungen. Die Raubzüge der Tataren im Mittelalter und die darauf folgenden Zerstörungen der Türken entvölkerten die Gegend fast vollständig. Später wurden die Wälder abgebrannt, die unberechenbaren Flüsse wurden mit Gräben geregelt, der Sand wurde befestigt, die natürlichen Wasserflächen beseitigt und man versuchte das Gebiet für die Freiland- Tierhaltung zu nutzen. Damit im Zusammenhang begann die Austrocknung und Alkalisierung des Bodens, und es entstand die heutige alkalische Puszta.

Unbedingt gehören zur Puszta die weidenden altungarischen Tiere; die Steppenrinder, die Zackelschafe, die Pferde, die Fettschweine und die Krausfedergänse. Die tierhaltenden Menschen hielten diese zu Haustieren gemachten Arten lange unter völlig natürlichen Begingungen. Die Tiere wurden auf wilde, fast grausame Art das ganze Jahr über auf der Weide, unter freiem Himmel gehalten. Aufgrund dieser harten Lebensbedingungen konnten besonders gute Arten erhalten und gezüchtet werden, die sich den extremen Klima- und Vegetationsbedingungen optimal anpassen konnten.

Die Tiere wurden von Hirten und deren Hütehunden bewacht, wobei sich eine besondere Rangordnung entwickelte. Die Pferdehirten nahmen die höchste Position ein, ihnen folgten die Rinderhirten und die Schafhirten, als letzte dann die Schweinehirten. Auch an ihrer Kleidung und ihren Arbeitsgeräten konnte man die Rangfolge erkennen. Ihre Tracht bestand aus Hemd, weiter Hose, Weste und Hut. In der Hortobagy gilt Blau, in der Bugac Puszta Weiß bis heute als traditionelle Farbe.

Der Pferdehirt -Tschikos -ist besonders zu erwähnen, da er zu seinen Pferden ein besonderes Verhältnis hat. Das Pferd ist treuer Gefährte seines Hirten und lässt diesen nie im Stich. Wie geschickt Hirten und Pferde sind, kann man noch heute auf zahlreichen niveauvollen Vorführungen der Pusztagehöfte bewundern.

Die einfache Lebensweise der Puszta spiegelt sich in den puritanen, jedoch freundlich wirkenden Einzelgehöfren -Tanya -wider. Die aus Lehmziegeln gebauten, weißen Häuser wirken mit ihren roten Geranien im Fenster wie wahre Schmuckstücke in der Landschaft. Viele von ihnen warten heute mit' freundlichen UnterkünfTen und leckeren Speisen auf die erholungssuchenden Naturfreunde.

Zur Bewahrung der vielfältigen Naturschätze der ungarischen Puszta wurden zwei Nationlaparks gegründet. Die Ziele des Nationalparks Hortobagy (1973) und des Nationalparks Kleinkumanien -Kiskun- sag -(1975) bestehen im Schutz der Oberflächenformen, der Wasserflächen, der Flora und Fauna, des Landschaftsbildes, sowie in der Erhaltung des traditionellen Lebens auf den Einzelgehöften und der alten Haustierarten. Als Anerkennung dieser Schätze und der geleisteten Abeit erklärte die UNESCO das Gebiet des Nationalparks zum Biosphärenreservat und registrierte einen Teil der Wasserlebensräume entsprechend der Ramsar -Konvention als international anerkannten Wildwasserlebensraum.